
Tilo Schnekenburger
Strategie+Taktik
des
Regattasegelns
geometrische Erklärungen und Überlegungen zur

Zuletzt bearbeitet am 27.3.2026
Vorwort:
Meine Website ist kein Lehrbuch zur Taktik des Segelns, davon gibt es bereits genügend. Aber viele sog. strategisch-taktische Regeln bedürfen doch einer genaueren Betrachtung, wenn man sie richtig verstehen und anwenden will. Dazu sollen meine Veröffentlichungen hier jedem interessierten Segler eine Hilfe und Anregung sein.
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2. Auflage
Strategie und Taktik
- eine Abgrenzung
Strategie ist der übergeordnete Plan für eine Regatta. Die Strategie entsteht bereits vor dem Startsignal aufgrund der geometrischen Lage der Bahn, sowie der natürlichen Gegebenheiten. Mit der Strategie sucht man den schnellsten Kurs vom Start zum Ziel, indem man vorhersehbare Veränderungen vor allem der natürlichen Be-dingungen antizipiert.
Die 3. überarbeitete Auflage der
"Geometrie des Regattasegelns"
ist erschienen.
Taktik ist dem gegenüber das Vorgehen in der Auseinandersetzung mit den Gegnern im Rahmen der Regeln. Die Taktik dient einzig dem Ziel, vor dem Gegner ins Ziel zu kommen. Dazu muss man sein eigenes Verhalten ständig an das momentan beobachtete Renngeschehen adaptieren.
Inhalte:
R.I.P. Paul Elvström
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---Pauls Taktikartikel aus "Regatta"
Rezensionen:
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--- J. Diesch: Regattasegeln
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---M. Philipp: Regattasegeln
Seminare und Vorträge teils mit Passwort!
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Grundlagen der Regattataktik 9.2.2019 nicht mehr aktiv
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Wetter im Jugend- und Jüngstentraining 12.1.19 nicht aktiv
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Workshop "Start und Startkreuz" am 3.3.18 nicht mehr aktiv
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Seminar "Streckbugsegeln" Langen nicht mehr aktiv
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Seminar BYCÜ "Regattataktik-BL" nicht mehr aktiv
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Trainermeetings LLZ nicht mehr aktiv
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Seminar Taktik und Trimm nicht mehr aktiv
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Einführung in die Geometrie der Regattataktik nicht aktiv
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Wind-der wichtigste Partner im Segelsport 21.5.2022 (nicht mehr aktiv)
Tipps zu Tactical Sailing
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Switchpoint upwind
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VMG/VMC
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Chance und Risiko, DMG-Spielfeld-Risikozone
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Den Startlinienvorteil verlieren (9.4.2019)
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Vorteil durch Downwind Streckbugsegeln (19.12.2019)
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Taktik an der Startlinie (24.2.2021)
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Räume strategisch-taktischer Entscheidungen (15.4.2021)
Beiträge zu Strategie und Taktik
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Foilsegler durchbrechen die "Schallmauer" im Segelsport (April 24)
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Unterschiede in der geometrischen Strategie Up- und Downwind (Juni 23)
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Unterschiede von Speed und Taktik auf Up- u. Downwind (Oktober 23)
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Im Spielfeld bleiben-die Abseitsfalle meiden (Jan 24)
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Kein Platz mehr an der Linie (Nov 22)
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Neutralisieren sich eigentlich Links- und Rechtsdreher? (Jan 23)
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Die Frage am Beginn des Downwind (April 23)
Meine aktuelle Empfehlungen
--- Trainer-Highlights in Tactical Sailing
Ein Zusatzmodul für den schnellen Zugriff auf die wichtigsten
Themen. Kein langes Suchen mehr im umfangreichen Themenpark.
Ideal für den raschen Einsatz vor und nach Training oder Wettkampf.
Meine Artikel zum Segeltraining
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--- Pädagogik und Segeltraining
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--- Zur DropOut Problematik im Segelsport
Die
Geometrie
des
Regattasegelns
Aktuell ist die 3. verbesserte und er-weiterte Auflage von 2024. Gedruckt wird das Buch bei "Book on Demand" auf Bestellung. Unter diesem Link gibt es im "Buchshop" die Bestellmöglichkeit mit einer Leseprobe und dem Inhaltsver-zeichnis. Auch das E-Book ist bei Book on Demand für € 14,99 zu haben.
Winddreher - das Salz in der Suppe einer Regatta
Regattasegler unterscheiden in der Regel zwischen oszillierenden, also hin und her pendelnden Winddrehern und solchen, die allmählich oder sprunghaft wegdrehen, also permanente Winddreher sind.
Um letztere wird es im folgenden Abschnitt gehen, im Besonderen um den strategischen Umgang mit dieser Art Winddreher während einer Wettfahrt.
Die Streckbugfalle "Außenbanane"
Strategisch-geometrische Betrachtungen zweier permanenter Winddreher nach links (12.12.2025)
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Die 2 Segler „Gold“ und „Blau“ unten im Bild befinden sich auf der Kreuz zur Luvmarke knapp links der Bahnachse (5hm) auf der 500m Luvleiter 1 mit dem gegenseitigen Querabstand 100m. Der Wind kommt bisher aus 0° (grün fett). Beide liegen auf Streckbug, d.h. beide haben also ihre Switchpoints (SP 1 pink) vor sich.
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Bevor sie die Switchpoints (SP 1) auf der 0°-Windachse 1 erreichen bekommen beide den ersten Linksdreher (grün dünn,15°) und luven entsprechend an. Ihre Switchpoints (SP 2) springen dadurch deutlich voraus, da sich ihre Windachse (2, grün, dünn) entfernt hat.
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Nach 180m Amwindkurs auf Streckbug erhält zunächst „Gold“ den zweiten Linksdreher (dünn, hellblau) um weitere 15° und luvt wieder entsprechend an. Sein Switchpoint (SP 3) ist weit voraus nahe an den Anlieger gesprungen. (Die pink ausgefüllten Switchpoints (SP 3) werden letztlich erreicht, während die hohlen Switchpoints (SP 2) vor Erreichen wegen des 2. Linksdrehers erneut „wegspringen“.
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Diesen 2. Linksdreher (hellblau) erhält „Blau“ deutlich später als „Gold“, erst nach weiteren 31m (kurz vor seinem Switchpoint (SP 2) auf dem bisherigen Kurs. Erst dann kann auch er anluven. Auch sein Switchpoint (SP 3) ist weiter voraus gesprungen.
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„Gold“ erreicht nach einem kurzen Holebugschlag (51m) den Anlieger. „Blau“ kommt mit einem deutlich größeren Holebuganteil von 155m ebenfalls zur Anliegerwende. Diese Holebuganteile sind jeweils genauso groß, wie ihre späteren Anlieger.
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Nachdem beide Segler anfangs die gleiche Kurslänge zur Luvmarke hatten, hat sich durch die beiden Linksdreher die Kurslänge von „Blau“ (653m) um 80m gegenüber „Gold“ (573m) verlängert.
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Das ist die „Außenbanane“ für „Blau“, der in der Streckbugfalle segelt, während „Gold“ die günstigere „Innenbanane“ segelt, weil er jeweils auf der Dreherseite des Kurses lag.
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Besonders nachteilig ist die Streckbugfalle, wenn sich ein Segler auf der anderen Seite der Bahnachse befindet.
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Im Übrigen gilt diese Streckbugfalle mit Außenbanane auch, wenn es sich um einen allmählich kontinuierlich wegdrehenden Linksdreher handelt.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Dez 2025
Der Streckbugfalle entgehen
Der Streckbugfalle kann man entgehen, wenn man nicht stur dem Lehrsatz "Streckbugsegeln" folgt, sondern vorausschauend und mutig einen Holebug gegen den Header segelt. Die Zeichnung und der folgende Text erklären dies.
Die 2 Segler „Gold“ und „Blau“ unten im Bild befinden sich auf dem Steuerbordschlag Upwindkurs zur Luvmarke knapp rechts der Bahnachse (5hm) auf der 500m Luvleiter 1 mit dem gegenseitigen Querabstand 100m. Der Wind kommt bisher aus 0° (grün fett). Beide liegen auf Streckbug, d.h. beide haben daher ihre Switchpoints (SP 1 pink unausgefüllt) vor sich.
✓ Bevor sie diese Switchpoints (SP 1) auf der 0°-Windachse 1 erreichen bekommen beide den ersten Linksdreher (hellgrün dünn,15°, Wind 2) und fallen mit dem Header entsprechend ab. Ihre Switchpoints (SP 2) verschwinden, da sie die Windachse (2, grün, dünn) hinter sich haben, weil sie jetzt auf einem Holebug sind.
✓ Nach 151m Amwindkurs auf Holebug erhält zunächst „Gold“ den zweiten Linksdreher (dünn, hellblau, Wind 3) um weitere 15° und wendet auf den Streckbug zur Luvmarke. ✓ Diesen 2. Linksdreher (hellblau) erhält „Blau“ deutlich später als „Gold“, erst nach weiteren 172m. Dabei wandert die Windkippe (Luvleiter Blau gestrichelt) noch auf ihn zu. Er wendet jetzt ebenfalls auf den Streckbug. Sein Switchpoint (SP 2 Blau) ist weit voraus auf die Windachse von Wind 3 gesprungen. ✓ „Gold“ erreicht nach dem 440m langen Anlieger die Luvmarke. „Blau“ kommt mit einem langen Streckbug (409m) und einem kurzen Holebuganteil von 74m ebenfalls zur Anliegerwende. Diese Holebuganteile sind jeweils genauso groß, wie sein restlicher Anlieger.
✓Nachdem beide Segler anfangs die gleiche Kurslänge zur Luvmarke hatten, hat sich durch die beiden Linksdreher die Kurslänge von „Blau“ (655,1m) im Vergleich zu „Gold“ (591m) um 64m verlängert.
✓ Beide vermeiden mit dem anfänglichen Holeschlag gegen den Header die Außenbanane, wobei „Gold“ immer auf der Kursseite lag, wohin der Wind drehte, und wodurch er im Vorteil war.
✓ Besonders nachteilig wäre für „Blau“ der alternative Streckbugschlag nach rechts auf den ersten Dreher hin gewesen. Dieser Schlag über 2 Switchpoints hinweg in die Streckbugfalle (dünner blauer Kurs (765,9m) hätte ihn viele zusätzliche Meter gekostet.
✓Im Übrigen gilt dieser Header-Holebug-Vorteil auch, wenn es sich um einen allmählich kontinuierlich wegdrehenden Linksdreher handelt.
Tilo Schnekenburger 22.1.2026

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Jan 2026
Der Switchpoint – der geometrisch-strategische Entscheidungspunkt
Der Switchpoint auf einem Kreuzkurs liegt bekanntlich auf dem Schnittpunkt der eigenen Kurslinie mit der Windachse durch die Luvtonne (s. Abb. 18). Am Switchpoint endet der Streckbug und verwandelt sich („switcht“) zum Holebug.
Die Peilung zur Luvmarke
Das bedeutet, dass der Peilwinkel zur Luvtonne ab sofort beim Weitersegeln immer größer als der Amwindwinkel wird. Am Switchpoint selbst entspricht dieser Peilwinkel exakt dem Amwindwinkel. Eine Fahne auf der Luvtonne zeigt am Switchpoint also genau auf den Segler. Solange der Segler auf dem Streckbug ist, zeigt die Fahne vor dem Bug vorbei, während auf dem Holebug die Fahne hinter dem Heck vorbei weht.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026
Abb. 18 Aus "Die Geometrie des Regattasegelns"
Distance made good
Jenseits des Switchpoints beginnt der Holebug, damit verschlechtert sich die Annäherungsgeschwindigkeit VMG bzw. die Distance Made Good (DMG) zum Ziel Luvtonne rapide, wie man an den Distanzkreisen gut erkennen kann. (s. Abb 24)
Die Risikozonen
Auf dem Streckbug vor dem Switchpoint ist man im Null-Risiko Bereich. Nach dem Switchpoint segelt man zunächst noch im Bereich des geringen Risikos, bis etwa zur 60°-Peilung der Luvmarke. Dann steigt das Risiko für ungünstige Winddreher an. Boot 1 hat im mittleren Risiko gerade noch einen Puffer für Winddreher von 20°. Für einen Lift hat er in einem solchen Fall noch genügend Raum zur Layline. Bei einem Header droht aber schon die Gefahr des Überstehens der Luvmarke.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026
Abb. 24 aus "Die Geometrie des Regattasegelns"
Zwei Holebugmöglichkeiten am Switchpoint
Die Zeichnung zeigt „Blau“ im Upwind auf Backbordschlag bei einem 10° von links der Bahnachse wehenden Wind. Vom Streckbug (blau) kommend, am Switchpoint angekommen, hat der Regattasegler „Blau“ ein spezielles Problem: Egal welchen Amwindkurs er hier wählt, bei konstanter Windrichtung muss „Blau“ jetzt auf einem der beiden Holebuge (rot) in einen Risikobereich hinein weitersegeln. Mit jedem Meter Holebug steigt das Risiko, andererseits steigt aber eben auch die Chance, bei einem Header auf einen gewinnbringenden Streckbug mit Lift wenden zu können.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026
Am Switchpoint gibt es nur noch 2 Holebugschläge
Das Verhalten der Switchpoints bei Winddrehungen
Bisher haben wir die Lage bei einen konstant aus 10° links der Luvtonne auf die Regattabahn wehenden Wind betrachtet. Was passiert aber, wenn dieser Wind dreht, einmal nach links oder rechts, oder vielleicht sogar mehrmals hin und her pendelt?
Nach dem bisher Gesagten ist klar, dass der Switchpoint sich auf der Kurslinie des Seglers bewegen wird und da auch die Windachse sich bei einem Winddreher bewegt, wird der Switchpoint in eine andere Position springen. Dies hat Folgen für die strategischen Überlegungen bezüglich der weiteren Annährung an die Luvmarke, da sich das Verhältnis von Streckbug und Holebug wesentlich verändert.
Bewegungen des Switchpoints im permanenten Winddreher
Schauen wir zunächst einmal die Verlagerung des Switchpoints bei einem mehrfach sich nach links drehenden Wind von der Leemarke aus betrachtet an.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026
Die beiden Zeichnungen zeigen die Wanderung des Switchpoints auf der Lee-Anliegelinie in 2 Stufen (10° bzw. 20° Linksdreher). Die pinkfarbenen Kreise zeigen die Wanderung des Switchpoints bei einer Linksdrehung des Windes in 5° Schritten.
Die Switchpointsprünge im oszillierenden Wind
Die Zeichnung zeigt die Situation in einem oszillierenden Windmuster. Der Wind pendelt zwischen dem grünen Rechtsdreher um 6° nach rechts der Luvmarke und dem hellblauen Linksdreher um 10° nach links der Luvmarke.
Beim Beginn des Kreuzkurses ist der Steuerbordschlag zum Switchpoint 1 (SP1) auf der grünen Windachse der Streckbug. Pendelt jetzt im Idealfall der Wind um 16° zum hellblauen Linksdreher, springt der SP 2 auf die hellblaue Windachse und der ideale Kurs auf dem Streckbug muss dorthin führen. Und so geht es mit dem Windpendler weiter zum SP 3 auf der grünen Windachse, zum SP 4 auf dem blauen Linkspendler und schließlich mit Wind von Steuerbord zu SP 5 und endlich im blauen Linkspendler zum SP 6.

Zeichnung: Tilo Schnekenburger, Mär 2026
Switchpointsprünge im 16° pendelnden Wind
Spätestens hier ist der letzte Schlag auf die Layline zu planen, wobei es besonders darauf ankommt, woher der Wind für diesen letzten Schlag und die folgende Bojenrundung kommt.
Auf dem gesamten Upwind ist zu beobachten, dass die einzelnen Schläge zwischen den Switchpoints immer kürzer werden. Dies wird kaum mit dem zeitlichen Rhythmus des Windmusters so ideal wie in der Zeichnung übereinstimmen. Das bedeutet, dass ein Segler in oszillierenden Windmustern seinen Kurs zwar vorausschauend planen kann, aber immer wieder, besonders in der zweiten Hälfte der Kreuz muss er auch spontan auf Winddreher reagieren und auch Holeschläge in die Risikobereiche hinein segeln, um letztlich in einem Lift den idealen Anliegeschlag zur Luvmarke und deren Rundung zu erreichen. Dieser letzte Schlag zur Luvmarke muss, einer altbekannten Regel folgend, wie in einem permanenten Winddreher gesegelt werden.
