Beiträge zur

Strategie und Taktik

Die 4 strategischen Grundkonzepte des Kreuzens
Januar 2021

  Grundsätzlich kann man vier verschiedene strategische Grundkonzepte der Kurswahl für die Kreuz unterscheiden. Diese sind „die bevorzugte Seite“, „der Anliegerschlag“, „durch die Mitte“ und der  „Z-Kurs“ (s. Abb.). Alle diese gewählten Grundkonzepte haben ohne Winddreher bei konstantem Wind und ohne Strömungsunterschiede gleiche Segelstrecken, sind also abgesehen von eventuellen Wendeverlusten gleichwertig.

Die bevorzugte Seite:

  Dieses Konzept wird absichtlich oder unabsichtlich von Seglern wohl am häufigsten angewendet. Eine Seite der Kreuz ist, aus welchen Gründen auch immer, bevorzugt. Es kann dort mehr Wind herrschen oder weniger Welle sein. Eventuell ist dort kein Gegenstrom oder sogar Schiebestrom zu erwarten und schließlich gibt es auch eine häufig zu hörende Empfehlung, die besagt: ist auf einer Seite der Kreuz Land, dann segle dorthin.

Der Anlieger:

  Dies ist das radikalste Konzept, mit dem höchsten Risiko, aber eben manchmal auch den höchsten Gewinnchancen. Es hat den Vorteil, dass man nur eine Wende segeln muss und daher kaum Wendeverluste hat. Anfängern und Seglern in langsamen Bootsklassen ist von diesem Konzept eigentlich bei 99% aller Kreuzen abzuraten, es birgt zu viel Verlustrisiko.

Durch die Mitte:

  Dieses Konzept ist das Sicherheitspaket. Aus der Mitte heraus kommt man überall schnell hin, wo sich Vorteile bieten. Man kann von jedem Winddreher profitieren. Der Nachteil ist der relativ hohe Wendeverlust. Mit diesem Konzept wird man seltener grandiose Laufsiege herausfahren, aber öfter Serien gewinnen. Da man in der Regel zu Beginn der Kreuz längere Schläge segelt als kurz vor der Luvtonne, wird dieses Konzept auch häufig das "Tannenbaumkonzept" genannt.

Z-Kurs:

  Der Z-Kurs ist der ideale Kurs, wenn man nicht so recht weiß, was man tun soll. Erst einmal starten und schauen, was passiert, dann bald umlegen und lang durch die Mitte segeln, sodass man den Anlieger zur Luvboje etwa in seinem letzten Drittel erreicht. Mit dieser Strategie hat man viele Optionen für Reaktionen und wenig Manöververluste und bleibt dabei nah an der Kursachse.

Die taktische bzw. strategische Rundung der Leemarke
Februar 2021

  Obwohl die Situation an den Bahnmarken wegen der Nähe zu Gegnern sehr oft taktisch und von den WR bestimmt ist, gibt es auch einige geometrische Überlegungen, die Berücksichtigung finden sollten.

  Grundsätzlich kann man festhalten, dass bei eng gefahrenen Manövern zu viel Geschwindigkeit verloren geht und bei weit gefahrenen viel Weg zurücklegt wird. Der geometrisch ideale Kompromiss muss trainiert werden, lässt sich allerdings in engen Rennen kaum perfekt umsetzten.

  Segeltaktisch geht es darum, nach der Rundung frei segeln zu können, um vor allen Dingen auf der anschlie­ßenden Kreuz die eigene Strategie realisieren zu können bzw. frei von taktischen Zwängen durch gegnerischen Einfluss zu sein. David Dellen­baugh unterscheidet zwischen einer taktischen und einer strategischen Rundung[1] an der Lee-Bahnmarke. Die Abbildung zeigt die beiden Techniken, wie man die Leemarke runden kann.

 

  Bei der taktischen Rundung geht es darum, gegnerbezogen so zu runden, dass man nach dem Runden in keinen Abwind von Vorausfahrenden gerät bzw. gegenüber Nachfolgenden frei wenden kann. D.h. man möchte den Amwind­kurs nach der Rundung möglichst hoch und dicht an der Tonne beginnen.  Ein Segler auf dem gelben Kurs verfolgt diese taktische Variante. Bei einem solchen Manöver geht normalerweise Geschwindigkeit verloren, weil man meist nicht mit  ausreichendem Abstand die Marke ansegeln kann. Der größte Nachteil ist aber, dass man vorher nach Lee ausholen muss, um am Ende des Manövers eng an der Bahnmarke sein zu können. Dieses Ausholen nach Lee kostet zweifach die Entfernung der blauen Luvstufe zur grünen Luvstufe , dies nennt Dellenbaugh den „Double Trouble“ am Leegate. Man segelt fast die gesamte gelbe Strecke unterhalb der grünen Luvstufe mehr als auf dem violetten Weg.

 

  Die strategische Rundung eines Seglers auf dem violetten Kurs kann man dagegen dann ausführen, wenn keine unmittelbare Beeinträchtigung durch Ge­gner zu erwarten ist. Man segelt dabei den strategisch kürzesten Kurs mit hoher Geschwindigkeit.

  Die Bahnmarke wird mit etwas Seitenabstand angesegelt und das Rundungsmanöver beginnt so früh, dass der tiefste Punkt der Rundungs­kur­ve ganz dicht an der Marke liegt, so dass man keinen „Double­ trouble“ mit­bekommt. (Darunter versteht Dellenbaugh den zweifachen Verlust der Entfernung zwischen der grünen und der blauen Linie). Man behält die Ge-schwindigkeit bei, weil das Manöver nicht so hart gesegelt wird, geht allerdings nicht ganz so eng nach der Marke wieder auf den Amwindkurs. Der geringere Höhenverlust des Amwind­kurses zahlt sich aus, weil etwas mehr Geschwindigkeit im Ma­növer gesegelt wird. Bei einer sehr engen Staffelung nach-folgender Boote ist es sogar möglich, als Führender in die sichere Leeposition eines Verfolgers zu kommen, so dass aus dem etwas tiefer verlaufenden Amwindkurs auch noch ein Vorteil entstehen kann.

 

[1] Dellenbaugh, D.: Speed&Smarts, #138, S. 16

 

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